Generalversammlung Verein Haus der Volksmusik Altdorf 2026 – mit viel Schwung ins nächste Jahrzehnt
Das Haus der Volksmusik in Altdorf feiert seinen 20. Geburtstag – und das mit neuer Präsidentin, eigenem Magazin und einer Vision. Das Kompetenzzentrum der Schweizer Volksmusik beweist damit, dass in jeder Tradition immer auch ein Stück Aufbruch steckt.
Herzlicher Applaus war ihr Gewiss: zwar amtet Simone Felber bereits seit Anfang Jahr als Präsidentin des Hauses der Volksmusik (HdVM), mit der Generalversammlung des Trägervereins am 9. April 2026 und der damit einhergehenden Wahl tut sie dies nunmehr auch hochoffiziell. «Ich freue mich sehr darauf, zusammen mit einem eingespielten und versierten Team an der Geschichte dieser für die Schweizer Volksmusik unverzichtbaren Institution weiterzuschreiben», sagte die 34-jährige Luzernerin in ihrer Antrittsrede im Uristier-Saal von Altdorf.
Vorstand wieder komplett
Nebst den statutarisch vorgegebenen Pfeilern Dokumentation und Forschung liegen ihr als aktiver Sängerin, Jodlerin und Chorleiterin vor allem die Förderung und die Vermittlung am Herzen. «Das Haus der Volksmusik nimmt in meinen Augen eine wichtige Klammerfunktion wahr: es bewahrt die Tradition und widmet sich gleichzeitig dem zeitgenössischen Schaffen und den aktuellen Strömungen. Bei uns haben bodenständige Klänge genauso Platz wie neue Töne.» Wichtig ist der Präsidentin vor allem der einende Aspekt auf menschlicher Ebene, sowohl innerhalb des Hauses der Volksmusik als auch in der Volksmusikszene als Ganzes. «Bei uns sind alle willkommen. Und wenn wir all das Herzblut bündeln können, das da draussen im Land für das heimische Musikschaffen fliesst, dann mache ich mir keine Sorgen um den Fortbestand der Schweizer Volksmusik.»
Vizpräsident Werner Schibig, der die Geschicke des Vereins während dreier Jahre präsidialer Vakanz führte, tritt mit der Wahl von Simone Felber wieder ins zweite Glied zurück. Sein Engagement wurde von Markus Brülisauer, dem HdVM-Geschäftsführer, ausführlich gewürdigt und verdankt. «Zum Glück hat Werni nie ernsthaft Interesse am Präsidialamt bekundet, womit wir nun weiterhin auf seine bewährten Dienste als Vize zählen dürfen», so Brülisauer. Den Vorstand des Vereins Haus der Volksmusik komplettieren wie bis anhin Prof. Dr. Max-Peter Baumann, Silvia Delorenzi, Regierungsrat Josef Dittli, Madlaina Janett und Yannick Wey.
Vision: Ein Haus der Volksmusik für alle
Auf grosses Interesse stiessen die Ausführungen von Simone Felber zu den Visionen des Hauses der Volksmusik bezüglich des Zeughauses am Lehnplatz, wo das Kompetenzzentrum seit zwanzig Jahren als Untermieterin des Kantons eine Heimat hat. Aufgrund der Tatsache, dass im letzten Herbst Pläne publik wurden, wonach das historische Gebäude entkernt und in einen Kammermusiksaal umfunktioniert werden soll, habe man sich zum Schritt an die Öffentlichkeit entschieden. «Wir haben schon lange Ideenskizzen in der Schublade, wie das Zeughaus einer möglichst breiten Bevölkerung zugänglich gemacht werden könnte», sagte die HdVM-Präsidentin. «Jetzt ist der Zeitpunkt, diese zur Diskussion zu stellen und weiter auszuarbeiten.»
Im Zentrum der Vision steht selbstverständlich die Volksmusik, welche mit allen Sinnen erlebbar gemacht werden soll. «Wir sehen ein lebendiges, offenes Haus mit der Möglichkeit, Veranstaltungen durchzuführen und Büros, Archive und Kursräumlichkeiten zu realisieren», führte Felber aus. Dass dies nicht im Alleingang möglich sei, liege auf der Hand. Deshalb will das Haus der Volksmusik auch mit lokalen Vereinen und Partnerbetrieben wie dem Theater Uri oder der Musikschule Uri zusammenspannen. «Kulturschaffen wird je länger, desto mehr in die Peripherie verlagert, umso wichtiger ist es, im Zentrum von Altdorf ein Haus zu haben, das einen niederschwelligen Zugang zu Kunst und Kultur schafft, in der Musik gemacht werden darf und wo man sich begegnet – eben, ein Haus der Volksmusik für alle», hielt Simone Felber fest.
In seiner Grussbotschaft griff Bildungs- und Kulturdirektor Georg Simmen die Vision kurz auf und bezeichnete diese als «sympathisch». Seitens der Regierung sei man sehr daran interessiert, die Institution Haus der Volksmusik, welche Ausstrahlung weit über die Kantonsgrenzen hinaus besitze, dem Kanton Uri auch in Zukunft zu erhalten. Weitere Rednerinnen und Redner – darunter Priska Wismer-Felder, Präsidentin der Interessengemeinschaft Volkskultur – gratulierten dem Haus der Volksmusik zu seinem 20. Geburtstag und wünschten ihm weiterhin jene Kompetenz und jenen Élan, die es braucht, um das heimische Volksmusikschaffen umsichtig zu hegen und pflegen, und ein lebendiges Bild davon nach aussen zu tragen.
Magazin und Volksmusikfestival
Genau hier setzt auch das Magazin «tutti» an, welches sich das Haus der Volksmusik quasi zum Geburtstagsgeschenk gemacht hat. Es soll inskünftig regelmässig über das Geschehen am HdVM informieren; darüber, woran gerade geforscht, weshalb was dokumentiert und wie die Volksmusik in all ihren Facetten vermittelt wird. Gleichzeitig soll die Leserschaft an all den überraschenden und erhellenden Geschichten teilhaben können, die sich dem Team vom Haus der Volksmusik im Rahmen seiner Arbeit immer wieder eröffnen.
Auf eine grosse Geburtstagsfeier verzichtet das Haus der Volksmusik darüber hinaus. Lieber steckt man die Energie in die 8. Auflage des alle zwei Jahre stattfindenden Volksmusikfestivals Altdorf. Dieses geht heuer vom 12. bis zum 14. Juni an verschiedenen Orten des Kantonshauptorts über die Bühne. Mehr als 40 Formationen mit Mitwirkenden aus allen 26 Kantonen liefern im Rahmen des dreitägigen Anlasses einen Querschnitt durch das heimische Volksmusikschaffen.
Welche kulturelle und gesellschaftliche Rolle das Volkslied in den letzten Jahrhunderten gespielt hat, erläuterte der Urner Musiker und Autor Roman Walker im Anschluss an die Jubiläums-GV des HdVM in einer musikalisch umrahmten Lesung aus seinem neuen Buch «Die Alpen im Lied der Schweiz». Seine zentrale Erkenntnis: In bewegten Zeiten wie diesen, in denen kein Stein auf dem anderen bleibt, können gerade Volkslieder – und mit ihnen die Volksmusik per se – eine Klammer sein, die verbindet, zusammenführt und zusammenhält.
Eine Quintessenz, die ganz bestimmt auch auf die Arbeit des Hauses der Volksmusik zutrifft. Vor 20 Jahren genau so wie heute – und hoffentlich noch viele weitere Jahrzehnte.
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