Hanny Christen & Co begeistern das Unterengadin
Im Februar genoss das Haus der Volksmusik Altdorf Gastrecht im Unterengadin. Zusammen mit dem Verein «Musica in Cumün» und namhaften Kursleiterinnen und ‑leitern lud das Kompetenzzentrum der Schweizer Volksmusik in Tschlin zur musikalischen Auseinandersetzung mit der «Sammlung Hanny Christen». Ein voller Erfolg, der in einem beschwingten «Engadiner-Tiroler-Ball» gipfelte.
Hanny Christen in Tschlin, der Heimat der «Fränzlis da Tschlin» – das hat einfach gepasst! Gut dreissig Musikantinnen und Musikanten aus der ganzen Schweiz trafen sich am Wochenende vom 14./15. Februar 2026 im Unterengadin, um in einem vom Haus der Volksmusik Altdorf und dem ortsansässigen Verein «Musica in Cumün» organisierten Kurs mit Bogen, Blatt und Balg im schier unerschöpflichen Fundus der musikaffinen Sammlerin Hanny Christen (1899−1976) zu stöbern.
Lernen von den Kennern und Könnern
Unter der kundigen Leitung von Bassist Peter Gisler, Klarinettist Dani Häusler (beide ehem. «Hanneli-Musig»), Violinist Andreas Gabriel sowie den Unterengadiner Lokalmatadoren Bigna Guler (Schwyzerörgeli) und Domenic Janett (Klarinette, «Ils Fränzlis da Tschlin») ging es schnell ans Eingemachte, sprich, ans gemeinsame Musizieren und Intonieren von ein paar wenigen der insgesamt gegen 12’000 Stücken, welche die Baselbieterin in der posthum nach ihr benannten «Sammlung Hanny Christen» zusammengetragen hat.
«Revolutionäres» Gesamtwerk
Dabei zeigte sich schnell, wie unglaublich vielfältig die einmalige Sammlung an landauf, landab aufgespürten Melodien ist. Nicht umsonst geniesst das Gesamtwerk den Ruf, die Vorstellung von «Volksmusik» in der Schweiz revolutioniert zu haben. 2022 erhielt die Volksmusik-Sammlung von Hanny Christen denn auch den Schweizer Musikpreis Spezial – versehen mit dem Prädikat «einer der grössten Schätze aus dem Alpenraum».
Weniger Technik, mehr Zugänglichkeit
Was die Märsche, Polkas und Walzer aus der Sammlung nicht zuletzt auszeichne, sei ihre unkomplizierte Spielbarkeit, führte Peter Gisler aus, der die 10-bändige Edition ab 2002 in seinem Mülirad-Verlag herausgegeben hat. «Weniger die Technik steht im Vordergrund, sondern vielmehr die Zugänglichkeit, das macht die Sammlung so attraktiv für Musikerinnen und Musiker sämtlicher Leistungsstufen.» Auch Domenic Janett erkennt heute beim Durchblättern des Nachschlagewerks immer wieder Melodien, die ihn sofort an die Heimat – das Engadin seiner Jugend – erinnern. Und Dani Häusler sagte am Rande der Veranstaltung: «Die Stücke in der Sammlung Hanny Christen sind relativ einfach gehalten, gerade für die Vermittlung ist dies ein grosser Vorteil. Ein jedes von ihnen lässt sich je nach Können ausgestalten und weiter ausarbeiten.»
Tschlin – ein absolutes Musikdorf
Zwei Tage engagiertes Üben – das muss belohnt werden. Dies nicht allein im Rahmen eines viel beklatschten Vortrags der gemeinsam einstudierten Stücke im kleinen Kreis, sondern auch mit einem grossen Ball, der ganz im Zeichen der Engadiner und der Tiroler Volksmusik stand. Die zwei Formationen Chapella Tasna aus Ardez und gramÅrtmusig aus Innsbruck sorgten mit ihrer lüpfigen Tanzmusik für festliche Stimmung und regen Betrieb auf dem Tanzparkett. Der Anlass lockte Besucherinnen und Besucher – viele von ihnen in Tracht – aus der Umgebung und weit über die Landesgrenze hinaus nach Tschlin, das sich während dreier Tage als wahrhaftes Musikdorf zu beweisen wusste.
Das Video zum Kurs «Sammlung Hanny Christen» in Tschlin.
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